Geschichte
der Orgel
in der Sankt-Andreas-Kirche
zu Bad Lauterberg im Harz
Ein Bericht von Orgelrevisor Hans Ulrich Funk
aus Herzberg / Harz::
Die neue Janke-Orgel der St.
Andreaskirche
zu Bad Lauterberg im Harz
Mit der
Fertigstellung der neuen Orgel in der St. Andreaskirche geht ein
jahrelanger Prozess des Planens für die St. Andreas-Gemeinde zu Ende. Das
Ergebnis dieser Planung ist ein Orgelwerk, welches nach altbewährten und heute
immer noch gültigen Prinzipien des klassischen mitteldeutschen Orgelbaus
konzipiert und ausgeführt worden ist.
Die Geschichte dieser Orgel reicht zurück bis in das Jahr 1859. Damals
erstellte die Herzberger Orgelbauwerkstatt Engelhardt ein Instrument mit
zwei Manualen und Pedal.
1912 wurde die Orgel durch die Firma Furtwängler und Hammer aus
Hannover ca. 1,5 m auf der Empore zurückgesetzt. Darüber hinaus erfolgte ein
klanglicher und technischer Umbau des Werkes.
1946 nahm die Firma Giesecke/Göttingen eine klangliche Aufhellung
vor.
1957 werden erneut Arbeiten durch die Firma Hammer ausgeführt.
Da alle diese Arbeiten das Instrument nicht in einen zufriedenstellenden
Zustand versetzen konnten, entschloss man sich bereits 1974/1975 zu einer
erneuten Reparatur und klanglichen Umgestaltung des Werkes durch die Firma Ott/Göttingen.
Diese Arbeiten sollten endgültig den technischen und klanglichen Zustand der
Orgel verbessern.
Doch bereits im Jahre 1979
stellte der inzwischen für den Kirchenkreis zuständige Orgelrevisor gravierende
Mängel besonders im klanglichen Bereich der Orgel fest. Da jedoch kaum vier
Jahre seit der Wiedereinweihung der durch Firma Ott renovierten Orgel
verstrichen waren, konnte an weitergehende Reparaturen oder Verbesserungen zu
diesem Zeitpunkt niemand denken.
Erst mit dem Amtsantritt des
neuen Kirchenmusikers Detlev Rase im Jahre 1980 konnten Verbesserungsvorschläge
in Angriff genommen werden. Sehr bald waren sich die Fachleute einig, dass eine
neuerliche Instandsetzung der Orgel ohne einschneidende Umbau- bzw.
Neubaumaßnahmen nicht mehr in Frage kommen sollte.
Nach langwieriger Überzeugungsarbeit der beteiligten Fachleute kristallisierte
sich allmählich folgender Plan heraus:
1. Mit den Arbeiten sollte nur
eine herausragende Orgelbaufirma beauftragt werden.
2. Wegen der außerordentlich schwierigen akustischen Verhältnisse
in der Kirche muß das Instrument wieder an seinen ursprünglichen Platz
vorgezogen werden, um eine bessere Schallstrahlung in den Kirchenraum zu
gewährleisten.
3. Von der vorhandenen Orgel
sind wiederzuverwenden: das zu vervollständigende Gehäuse, die
Manualklaviaturen, die Windanlagen von Hauptwerk und Pedal, sowie Teile des
Pfeifenwerkes.
4. Die Disposition muss so
gewählt werden, dass der außerordentlich trockenen Raumakustik durch eine
gewichtige klangliche Präsenz der Orgelbässe Rechnung getragen wird.
5. Die gesamte Spieltraktur sowie das Regierwerk
sind neu anzufertigen.
6. Das Oberwerk erhält eine neue
Windlade zur Unterbringung eines etwas vergrößerten Registerbestandes.
7. Die Windlade wird mit zwei
Keilbälgen und Eichenholzkanälen neu gefertigt.
Im Jahre 1983 entschied sich der Kirchenvorstand zur Vergabe des Auftrages
an die Orgelbauwerkstadt Rudolf Janke in Bovenden. Nach rund einjähriger
Bauzeit konnte das Instrument nun fertiggestellt werden. Hier ist eine
ausgewogene Synthese zwischen der verantwortbaren Wiederverwendung von Teilen
der EngeIhardt-Orgel von 1859 sowie einem Neubau gefunden worden. Stilistisch
hat die Orgel ihre Vorbilder eher im mitteldeutschen Raum, kam doch der
Orgelbauer Engelhardt aus Merseburg in die Harzgegend, und auch Orgelbaumeister
Janke orientiert sich am liebsten bei den Vorbildern eines Zacharias Hildebrandt
oder Gottfried Silbermann.
Die Ausführung der Arbeiten ist
zur vollen Zufriedenheit der Fachleute gelungen. Die Orgel hat nicht nur ein
glanzvolles und majestätisches “volles Werk“ erhalten, auch zahllose
Soloregistrierungen sowie die Zungenregister sind bestens intoniert worden. Die
Orgel erhielt zudem durch den Restaurator Diedrichs aus Berka ein prächtiges
Äußeres. Man kann die Kirchengemeinde zu diesem Orgelwerk, welches so schnell
nicht seinesgleichen finden wird, nur beglückwünschen und der Hoffnung Ausdruck
geben, dass nunmehr für viele Generationen ein klangschönes funktionierendes
Orgelwerk die lange Zeit der Orgelsorgen ablösen möge.
Hauptwerk (C-f“): Bourdon 16‘
Prinzipal 8‘ (ab d‘ doppelt)
Holzflöte 8‘
Gambe 8‘
Oktave 4‘
Gedackt 4‘
Oktave 2‘
Sesquialtera 2f.
Mixtur 4f. 1 1/3‘
Trompete 8‘
Oberwerk (C-f“): Geigenprinzipal 8‘
Holzgedackt 8‘
Prinzipal 4‘
Rohrflöte 4‘
Nasat 2 2/3‘
Waldflöte 2‘
Sifflett 1‘
Scharf 3f
Krummhorn 8‘
Pedal (C-d’): Subbaß 16‘
Prinzipal 8’
Oktave 4’
Mixtur 3 f.
Posaune 16’
Trompete 8’
Pedalkoppeln zu
Hauptwerk und Oberwerk
Tremulant für die
ganze Orgel
Stimmung: leicht ungleichstufig nach werkstatteigener
Art
Dispositionsentwurf: Detlev
Rase, Rudolf Janke und Hans Ulrich Funk