BL 040306 Kirche SA Empore mit Orgel B2 av h4 r50

 
Geschichte  der Orgel

in der Sankt-Andreas-Kirche

zu  Bad Lauterberg  im Harz

Ein Bericht von Orgelrevisor Hans Ulrich Funk

aus Herzberg / Harz::

 

Die neue Janke-Orgel der St. Andreaskirche

zu Bad Lauterberg im Harz

 

Mit der Fertigstellung der neuen Orgel in der St. Andreaskirche geht ein jahrelanger Prozess des Planens für die St. Andreas-Gemeinde zu Ende. Das Ergebnis dieser Planung ist ein Orgelwerk, welches nach altbewährten und heute immer noch gültigen Prinzipien des klassischen mitteldeutschen Orgelbaus konzipiert und ausgeführt worden ist.

 

Die Geschichte dieser Orgel reicht zurück bis in das Jahr 1859. Damals erstellte die Herzberger Orgelbauwerkstatt Engelhardt ein Instrument mit zwei Manualen und Pedal.

 

1912 wurde die Orgel durch die Firma Furtwängler und Hammer aus Hannover ca. 1,5 m auf der Empore zurückgesetzt. Darüber hinaus erfolgte ein klanglicher und technischer Umbau des Werkes.

 

1946 nahm die Firma Giesecke/Göttingen eine klangliche Aufhellung vor.

 

1957 werden erneut Arbeiten durch die Firma Hammer ausgeführt.

 

Da alle diese Arbeiten das Instrument nicht in einen zufriedenstellenden Zustand versetzen konnten, entschloss man sich bereits 1974/1975 zu einer erneuten Reparatur und klanglichen Umgestaltung des Werkes durch die Firma Ott/Göttingen. Diese Arbeiten sollten endgültig den technischen und klanglichen Zustand der Orgel verbessern.

 

Doch bereits im Jahre 1979 stellte der inzwischen für den Kirchenkreis zuständige Orgelrevisor gravierende Mängel besonders im klanglichen Bereich der Orgel fest. Da jedoch kaum vier Jahre seit der Wiedereinweihung der durch Firma Ott renovierten Orgel verstrichen waren, konnte an weitergehende Reparaturen oder Verbesserungen zu diesem Zeitpunkt niemand denken.

 

Erst mit dem Amtsantritt des neuen Kirchenmusikers Detlev Rase im Jahre 1980 konnten Verbesserungsvorschläge in Angriff genommen werden. Sehr bald waren sich die Fachleute einig, dass eine neuerliche Instandsetzung der Orgel ohne einschneidende Umbau- bzw. Neubaumaßnahmen nicht mehr in Frage kommen sollte.

 

Nach langwieriger Überzeugungsarbeit der beteiligten Fachleute kristallisierte sich allmählich folgender Plan heraus:

 

1.      Mit den Arbeiten sollte nur eine herausragende Orgelbaufirma beauftragt werden.

 

2.      Wegen der außerordentlich schwierigen akustischen Verhältnisse in der Kirche muß das Instrument wieder an seinen ursprünglichen Platz vorgezogen werden, um eine bessere Schallstrahlung in den Kirchenraum zu gewährleisten.

 

3.      Von der vorhandenen Orgel sind wiederzuverwenden: das zu vervollständigende Gehäuse, die Manualklaviaturen, die Windanlagen von Hauptwerk und Pedal, sowie Teile des Pfeifenwerkes.

 

4.      Die Disposition muss so gewählt werden, dass der außerordentlich trockenen Raumakustik durch eine gewichtige klangliche Präsenz der Orgelbässe Rechnung getragen wird.

 

5.      Die gesamte Spieltraktur sowie das Regierwerk sind neu anzufertigen.

 

6.      Das Oberwerk erhält eine neue Windlade zur Unterbringung eines etwas vergrößerten Registerbestandes.

 

7.      Die Windlade wird mit zwei Keilbälgen und Eichenholzkanälen neu gefertigt.

 

Im Jahre 1983 entschied sich der Kirchenvorstand zur Vergabe des Auftrages an die Orgelbauwerkstadt Rudolf Janke in Bovenden. Nach rund einjähriger Bauzeit konnte das Instrument nun fertiggestellt werden. Hier ist eine ausgewogene Synthese zwischen der verantwortbaren Wiederverwendung von Teilen der EngeIhardt-Orgel von 1859 sowie einem Neubau gefunden worden. Stilistisch hat die Orgel ihre Vorbilder eher im mitteldeutschen Raum, kam doch der Orgelbauer Engelhardt aus Merseburg in die Harzgegend, und auch Orgelbaumeister Janke orientiert sich am liebsten bei den Vorbildern eines Zacharias Hilde­brandt oder Gottfried Silbermann.

 

Die Ausführung der Arbeiten ist zur vollen Zufriedenheit der Fachleute gelungen. Die Orgel hat nicht nur ein glanzvolles und majestätisches “volles Werk“ erhalten, auch zahllose Soloregistrierungen sowie die Zungenregister sind bestens intoniert worden. Die Orgel erhielt zudem durch den Restaurator Diedrichs aus Berka ein prächtiges Äußeres. Man kann die Kirchengemeinde zu diesem Orgelwerk, welches so schnell nicht seinesgleichen finden wird, nur beglückwünschen und der Hoffnung Ausdruck geben, dass nunmehr für viele Generationen ein klangschönes funktionierendes Orgelwerk die lange Zeit der Orgelsorgen ablösen möge.

 

Hans-Ulrich Funk, Orgelrevisor

 

 

 

Disposition

   Hauptwerk (C-f“):     Bourdon                          16‘

                                  Prinzipal                          8‘ (ab d‘ doppelt)

                                  Holzflöte                           8‘

                                  Gambe                             8‘

                                  Oktave                             4‘

                                  Gedackt                           4‘

                                  Oktave                             2‘

                                  Sesquialtera                      2f.

                                  Mixtur                      4f.     1 1/3‘

                                  Trompete                          8‘

 

   Oberwerk (C-f“):      Geigenprinzipal                 8‘

                                  Holzgedackt                     8‘

                                  Prinzipal                           4‘

                                  Rohrflöte                          4‘

                                  Nasat                               2 2/3‘

                                  Waldflöte                          2‘

                                  Sifflett                              1‘

                                  Scharf                              3f

                                  Krummhorn                       8‘

 

   Pedal (C-d’):            Subbaß                           16‘

                                  Prinzipal                           8’

                                  Oktave                             4’

                                  Mixtur                               3 f.

                                  Posaune                         16’

                                  Trompete                          8’

 

Manual-Schiebekoppel

Pedalkoppeln zu Hauptwerk und Oberwerk

Tremulant für die ganze Orgel

Stimmung:   leicht ungleichstufig nach werkstatteigener Art

 

Dispositionsentwurf: Detlev Rase, Rudolf Janke und Hans Ulrich Funk